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Mauerweg Teil 2 – von Schönefeld nach Wittenau

Nach dem Fall der Mauer entstand entlang der alten Versorgungswege der „Mauerweg“ –dessen 160 Kilometer befahren wir in 4 Etappen mit Fahrrädern.

Fotos: DRK

Erholung an Autobahn und Kanal

Der zweite Teil der Mauerweg-Tour beginnt am S-Bf. Schönefeld und führt uns parallel zur Autobahn A113 entlang durch den Landschaftspark Rudow-Altglienicke. Durch den Tunnelabschnitt ist von der Autobahn nichts zu hören – Erholung pur. Die A113 wurde 1997-2008 von Schönefeld bis zum Dreieck Neukölln auf dem alten Grenzstreifen gebaut. Außer von ein paar Hochhäusern und abseits gelegener Industriebauten ist von der Großstadt nicht viel zu spüren. Dieser Eindruck bleibt lange erhalten, auch wenn ab dem Teltowkanal der breite, gut ausgebaute Weg von einer Lärmschutzwand gesäumt wird. Entlang des Britzer-Verbindungs-Kanals erreichen wir kurz von der Chris-Gueffroy-Allee das Denkmal des gleichnamig letzten Mauertoten, der durch den Einsatz von Schusswaffen am 06.02.1989 ums Leben kam.

Eintauchen in die Stadt

Kurz danach erreichen wir den alten Grenzübergang Sonnenallee (Film 1999). Hier ist auf der Tour erstmalig die „Steinlinie“ in Form einer Doppelreihe Pflastersteine mit eingelassener Stahlplatte, die den alten Grenzverlauf dokumentiert. Weiter geht’s entlang des Heidekampgrabens zur Kiefholzstraße mit der wir nun in das Stadtleben eintauchen. Durch die kleinen Neuköllner Nebenstraßen hilft uns nun neben den kleinen Mauerweg-Schildern eben die schon genannte Steinlinie - und auch in Mitte ist sie mehr als hilfreich. Es ist so eine Mischung aus Erstaunen und Entsetzen, wo früher genau die Mauer stand. Teilweise verläuft die Linie direkt am Bordstein, durch neue Häuser (Harzer Straße) oder entlang der Linie wurden Häuser nebst Kirche abgerissen, weil sie auf dem Grenzstreifen standen (Bernauer Straße).

Mauer trifft auf Mauer

Mit dem Lohmühlenplatz werden der Landwehrkanal und ein altes Zollhaus auf der Lohmühleninsel (Vor dem Schlesischen Tor) erreicht. Am Schlesischen Tor treffen wir auf den Verlauf der alten Berliner Akzisemauer (bis 1867). An diesen vorgelagerten Zollhäusern mussten die Abgaben entrichtet werden, bevor man in die Stadt kommen durfte. Auf solche Tore treffen wir in Laufe der Tour noch mehrfach, denn die Oberbaumbrücke, der Potsdamer Platz (Tor) das Brandenburger Tor und der Nordbahnhof (Hamburger Tor) gehören auch dazu. Und auch die U1 bis zum Halleschen Tor wurde ebenfalls auf diesem Verlauf zwischen 1896 und 1902 errichtet.

Sehenswürdigkeiten satt

Nun reiht sich Sehenswürdigkeit an Sehenswürdigkeit. Oberbaumbrücke, East-Side-Gallery, Engelbecken mit dem Graben des alten Luisenstädtischen Kanals, Checkpoint Charlie, Gedenkstätte Topografie des Terrors, Potsdamer Platz, Brandenburger Tor, Reichstag mit Regierungsviertel , Hauptbahnhof, Charité, Bernauer Straße, Mauerpark, Schwedter Steg mit der »Ulbricht-Kurve«.

Entlang der Nebenstraßen erreichen wir den Potsdamer Platz. Besonders beim Grenzverlauf in Mitte/Kreuzberg zeigt sich zum Teil mit größeren Freiflächen noch eine sehr untypische Bauentwicklung für eine Innenstadt. Kurz nach dem großen Gewühle am Checkpoint Charlie treffen wir auf einen besonders markanten oder eher makabren Ort. Entlang der Niederkirchnerstraße steht noch bis zum Martin-Gropius-Bau ein Stück Mauer und genau dahinter sind noch Fundamente  von Gebäuden der nationalsozialistischen Zeit zu erkennen.

Maueropfer

Nach einer nicht ganz so einfachen Wegführung durchs Regierungsviertel (die Grenze verlief quasi durch den Hinterhof des Reichstags – treffen wir nach dem Humboldthafen entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal auf einen der ältesten Friedhöfe Berlins - den Invalidenfriedhof, der sogar durchfahren werden muss. Eine Gedenktafel erinnert an dieser Stelle an den ersten DDR-Bürger, der im Humboldthafen erschossen wurde. In der Zeit von 1961 bis 1989 gab es mindestens 139 Maueropfer, darunter 101 DDR-Flüchtlinge (Quelle: Stiftung Berliner Mauer)

An der Liesenstraße umrunden wir einige alte Friedhöfe und einen ummauerten Park. Es ist das ehemalige Gelände der Stettiner Bahnhofs später Nordbahnhof. Schienen und Ziele, die von hier angefahren wurden sind auf dem Vorplatz des S Nordbahnhof noch zu sehen. Am Nordbahnhof beginnt auch die Gedenkstätte Berliner Mauer entlang der Bernauer Straße. Hier steht zum größten Teil noch die Mauer oder sie wurde durch schmale Stelen „nachgezeichnet“. Markant sind die Grundrisse der Versöhnungskirche und die Häuser der Bernauer Straße Nummer 10 bis 11, die allesamt abgerissen wurden, weil sie dem Grenzstreifen im Weg waren.

Entlang der Bahn

Kurz vor dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion schwenkt die Grenzlinie nach Norden zwischen Schwedter Straße und dem Gelände des alten Güterbahnhofs – heute besser bekannt als Mauerpark, der vor allem am Wochenende Künstlern, Musikern und Familien eine Heimstatt bietet. Vorbei am Gleimtunnel und über den Schwedter Steg über der überaus lauten so genannten „Ulbricht-Kurve“ folgt der Grenzverlauf mal rechts, mal links der S-Bahn-Trasse der S1 bis zum heutigen Endpunkt am Bahnhof Wittenau.

31. Juli 2017 11:16 Uhr. Alter: 3 Jahre